• Jan-Philip

Lieferantenbesuch in China: Zu Besuch in einer anderen Welt

Aktualisiert: 28. Nov 2019

Während ich gerade meinen nächsten Lieferantenbesuch in China plane, lasse ich nochmal die Erlebnisse und Erfahrungen von meinem Trip in 2017 nach Hongkong, Guangzhou, Shenzhen, Xiamen und Macau Revue passieren.


Anfang 2017 habe ich die Marke „JP Journey“ noch neben meinem Vollzeitjob bei einem Automobilhersteller aufgebaut. Damals habe ich das Potential der Marke und der Produkte gesehen und war mir sicher, dass ich die Marke weiter aufbauen und größer machen möchte. Ich wollte mir jedoch auch sicher sein, dass die Qualität, die ich unter meiner Marke ausliefere, meinen eigenen Ansprüchen gerecht wird. Nichts brachte mir schlaflosere Nächte, als der Gedanke daran, dass ich schlechte Qualität geliefert bekomme. Ich habe schließlich bei jeder neuen Bestellung mein gesamtes gewonnenes Kapital wieder in neue Produkte eingesetzt.


Da ich nun ein weiteres Produkt - unsere heute sehr erfolgreiche Umhängetasche - gerade entwickelt habe, wollte ich nun also sicherstellen, dass die Firma, die diese Tasche produzieren sollte, auch eine richtige produzierende Firma ist und kein Zwischenhändler, der die Ware heute bei Firma A und morgen bei Firma B einkauft. Nur so kann ich sicherstellen, dass gleichbleibende Qualität geliefert wird. Wichtig war mir auch, die Menschen kennenzulernen, die hinter der Firma stehen.


Also habe ich eine Reise nach Hongkong und China geplant, um den weiteren Grundstein für mein Business zu legen.


Reiseroute mit Start und Ende in Hongkong



1. Tag: Von Frankfurt nach Hongkong mit dem Airbus A380

Am 10. März ging es dann los. Geflogen bin ich mit Lufthansa und die Besonderheit an dem Flugzeug war, dass ein Teil der Business Class im Oberdeck zur Economy-Class umgebaut wurde. Der Platz oben in der hintersten Reihe rechts war total gemütlich und sehr geräumig. Es sitzen auch nur ca. 40 Personen in diesem Abteil, weshalb der gesamte Flug sehr ruhig war.

Nach Ankunft am Flughafen in Hongkong kann ich mich noch erinnern, dass ich den Ausgang am Flughafen nicht gefunden habe. Ich bin in einem Teil des Flughafens ständig im Kreis gelaufen und hab mich dann erst einmal in ein Cafe gesetzt und über mein Handy versucht mich zu orten um so irgendwie herauszubekommen, wo denn der Ausgang ist :D.


Ich denke, dass ich hier sehr übermüdet war, da ich im Flugzeug eher selten schlafe. Im Flugzeug bin ich meist sehr kreativ und arbeite gerne.


Den Ausgang habe ich dann doch noch gefunden und mit dem Bus ging es in das „The T-Hotel“ in Hongkong. Das Hotel ist ein bisschen entfernt von „Downtown“ Hongkong. Das Besondere an dem Hotel ist, dass die Mitarbeiter alle Auszubildende sind. Es ist ein 5-Sterne-Hotel in dem die Elite für die Luxusahotels von Morgen quasi an echten Gästen lernt. Die Idee ein komplettes Hotel von Azubis führen zu lassen, fand ich ziemlich cool und die Preise sind auch noch in Ordnung ( 115€/Nacht mit Frühstück). Die Azubis waren teilweise sehr nervös, haben sich aber extrem um Einen gekümmert. Das mir ein Azubi dann das gesamte Hotelzimmer gezeigt hat, also wirklich jedes kleinste Detail, z.B. wie ich den Fernseher anschalte, wie ich umschalte, wo die Toilette ist, etc. war ganz lustig.

Und so sah es aus.


TV gucken in der Badewanne :D

Zum Ankommen hab ich mir erstmal einen Cheeseburger und eine Flasche Wein bestellt.

Tag 2: Den ganzen Tag in Hongkong

Da ich nur zwei Tage in Hongkong hatte, wollte ich die Zeit so gut wie möglich nutzen und bin entsprechend um 6 Uhr aufgestanden. Zum Frühstücken war ich alleine in einem Frühstückssaal mit Blick auf die Telegraph-Bay, wo die riesigen Containerschiffe nach Hongkong einfahren. Mit mir im Raum waren 4 Angestellte, von denen ich mir doch ein bisschen beobachtet vorkam :D

Victoria-Peak: Mit dem Bus ging es in Richtung Zentrum. Von dort aus kann man mit der Peak-Tram auf den Victoria-Peak, von wo aus man einen gigantischen Blick über Hongkong hat, so zumindest auf den Instagram-Fotos, die ich vorher gesehen habe. Mein Blick war nicht ganz so atemberaubend. Es hatte sich relativ schnell extrem dichter Nebel gebildet, weshalb die Sicht bei ca. 10 Metern lag. Naja die Fahrt mit der Tram ist auf jeden Fall ziemlich cool. Sie geht extrem steil den Berg hinauf.


Nach dem vernebelten Besuch auf dem Victoria-Peak bin ich spazierengegangen in SoHo, Kaffee trinken und an der Promenade entlang. Von dort aus geht auch die Fähre nach Kowloon.

Hongkong ist sehr hügelig. Man macht hier einige Höhenmeter am Tag.
Sehr dicht und hoch bebaut.
Spazieren an der Promenade

Auf der Halbinsel Kowloon angekommen, kann man zu Fuß durch die wuseligen Straßen in den Stadtteil Mongkok gehen, der bekannt ist als Einkaufszentrum. Hier gibt es Textilmärkte und Essen soweit du laufen kannst. Die Straßen sind sehr voll und überall schallt laute Musik aus den Läden. Mir machte es einfach Spaß, das verrückte Treiben in den Straßen zu beobachten.


laut, voll, grell

überall Straßenkünstler und Musik

1,2 km lange, sehr enge Gasse mit Textilständen

Abends wird eine Licht- und Lasershow gezeigt, die man sich von der „Avenue of the Stars“ ansehen kann. Hier sind zahlreiche Wolkenkratzer beleuchtet und mit gigantischen Lasern ausgestattet. Diese bewegen sich nach der Musik und es ist einfach ein krasses extrem kitschiges Schauspiel.


3. Tag: Von Hongkong nach Guangzhou zum ersten Lieferanten – ca. 6 Stunden mit Zügen

Um von Hongkong nach China fahren zu können muss man an einer Grenzstation, in meinem Fall LoWu-Station die Grenze nach China passieren. Hier muss man, wie z.B. aus den USA gewohnt, eine Karte ausfüllen, in der man Angaben zu versteuernden Waren, Barmitteln etc. machen muss. Danach folgt die Passkontrolle und schon ist man in China.


Weiter ging es mit dem Zug von LoWu nach Guangzhou (ca. 3 Stunden Zugfahrt).

Ich hätte vorher noch etwas essen sollen, weil das nächste richtige Essen nun eine Weile auf sich warten muss 😊

Im Zug hatte ich schon einen Bärenhunger und mein Sitznachbar bestellte sich ein warmes Essen, das so dermaßen gestunken hat (für meine europäische Nase auf jeden Fall), dass ich mir nichts mehr bestellen konnte. Ich konnte natürlich auch nichts auf der Karte lesen, denn ab hier ist es vorbei mit den Buchstaben…Hallo chinesische Schriftzeichen.

Aus erster Verzweiflung wühlte ich in meinem Rucksack und fand tatsächlich zwei Schokoriegel. Die hatte meine Freundin mir vor Abfahrt in Deutschland dort noch hineingepackt und ich war mega-glücklich über diese Schokoriegel!

Die 3 Stunden Zugfahrt gingen fast ausschließlich durch bebautes Gebiet. In dem Gebiet Guangzhou-Guangdong leben ca. 40 Millionen Menschen und es wird einfach überall gebaut.


Mit meiner chinesischen Geschäftspartnerin „Rita“ wollte ich mich am Flughafen von Guangzhou treffen. Vom Bahnhof bis dorthin bin ich dann noch U-Bahn gefahren. Das Ubahn-Netz war sehr einfach zu verstehen und die U-Bahn sehr modern. Und anfangs noch relativ leer. An jeder Station sind es immer mehr Leute geworden und ich war froh, dass ich in dem Abteil der Größte war und alles überblicken konnte. Kleinere Frauen sind quasi im Menschengedränge komplett verschwunden. An der vorletzten Station sind die Leute mit Anlauf noch in das Bahnabteil gerannt, aber das scheint hier normal zu sein. Niemand hat sich darüber beschwert, die Meisten schauen auf Ihre Handys und schauen Filme oder Serien.


Am Flughafen von Guangzhou angekommen wartete ich am vereinbarten Treffpunkt vor einem Flughafenterminal. Ich hielt Ausschau nach Fahrzeugen, die mich abholen könnten. Ich hatte mit einem Van gerechnet oder mit einer typischen chinesischen Limousine aber ich hatte mich geirrt. Die Chinesen zeigen gerne, was sie haben und so rollte ein matt-goldener 7er BMW, neuestes Modell als lange Limousinenversion vor (ein 750 Li für die Kenner 😉 ). Meine Geschäftspartnerin stieg hinten aus, begrüßte mich sehr nett und unser Chauffeur begleitete mich zur Tür und ich setzte mich in die hel-ledernen Liege-Massagesessel. Ein sehr teuer wirkender Teppich lag im Fußraum und ich konnte meine Beine komplett ausstrecken. In der Mitte zwischen mir und meiner Geschäftpartnerin war eine Bar mit Getränken und Gläsern und es lief beruhigende chinesische Musik.

Wir machten uns auf den Weg in die Produktion, die ca. 45 Minuten Fahrt vom Flughafen entfernt lag. Gefühlt sind wir ewig weit gefahren aber gemessen an der Größe der Stadt nur ein winzig kleines Stück.

in rot der Weg vom Flughafen zur Produktion

Gefühlt herrschte ein heilloses Chaos auf den Straßen aber leicht hupend bahnt man sich hier den Weg.


Angekommen an der Produktionshalle konnte ich mir die gesamte Produktion ansehen. Rita zeigte mir alle Stationen, stellte mir Mitarbeiter vor, die gerade Muster fertigten und sagte mir daraufhin, dass ihr Chef extra kommen würde um den Deutschen kennenzulernen.

Sie meinte, dass der Boss eher selten hier sei, aber das wollte er sich nicht entgehen lassen. Und so ging ich mit Rita in ein Büro in dem ich ziemlich gemustert wurde von einem bewaffneten Security-Beamten, der auf einem Sofa saß. Es war ein Büro mit einer in der Mitte des Raumes liegenden Sitzgruppe, bestehend aus einem großen Sofa, auf dem der mürrische Sicherheitsbeamte saß und ein gegenüberliegendes kleineres Sofa, auf dem offensichtlich der Chef saß. Die Sofas waren aus rosa glänzendem Leder (leider habe ich hiervon keine Fotos). Nachdem ich also Beiden im Raum die Hand gegeben hatte, setzte ich mich in einen Sessel und es wurde mir Tee angeboten. In der Mitte der Sitzgruppe stand ein großer Marmortisch auf dem eine prunkvolle Tee-Station aus Holz stand. Hier war eine Schüssel mit heißem Wasser, eine verzierte Stahl-Tee-Kanne und ganz viel Geschirr. Der Chef nahm mit einer Zange eine kleine Tasse, ich würde es eher als Pinneken bezeichnen, hielt diese kurz in das heiße Wasser und stellte mir diese mit der Zange vor mich. Dann nahm er die Teekanne und schüttete aus 50cm Höhe Tee in meinen Pinneken und etwas daneben. An dem Punkt fiel mir auf, dass hier keiner außer Rita Englisch sprechen konnte und ich verständigte mich mit dem Chef eigentlich nur mit einem Lächeln oder einem Kopfnicken.

Ich trank also den Tee quasi in einem Schluck und bekam sofort nachgeschenkt, ich trank wieder, diesmal nur einen halben Schluck und es wurde wieder nachgeschenkt. Ok, System durchschaut 😉 diesmal wartete ich ab und ließ erst einmal über meine chinesische Partnerin, Rita, dem Chef ausrichten, dass seine Firma einen tollen Eindruck auf mich macht und ich mich auf die Geschäfte mit ihm freuen würde. Er nickte lächelnd, ich trank meinen Tee, bekam direkt den 4ten Tee eingeschüttet, den ich dann auch noch trank und dann standen wir auf, um die Produktion zu verlassen und in das 30 Autominuten entfernte Büro zu fahren.


Die ganze Zeit, die wir in der Produktion waren, wartete unser Chauffeur, anscheinend mit laufendem Motor, vor dem Eingang. Das Büro bestand aus einem Eingangsbereich, einem Arbeitsraum mit ca. 15 Tischen, das realtiv gemütlich und freundlich eingerichtet war, und einem Show-Room, in dem ca. 100 Produkte ausstanden. Ich hatte dort ein wenig Zeit mich umzusehen. Es war nun 16 Uhr und ich hatte seit 6 Uhr morgens nichts mehr gegessen. Wer mich kennt, weiß, dass das nicht witzig ist :DD

Mit Rita und einer Kollegin von ihr sprach ich über meine geplanten Produkte. Die Beiden sahen zwar noch sehr jung aus, waren aber sehr professionell und haben sich direkt alles notiert, was wir beschlossen haben.

Nun war es 18 Uhr Abends und mein Plan, mit dem Zug noch in die nächste Stadt, Shenzhen (ca. 2 Stunden mit dem Zug), zu fahren, habe ich gecancelt.


Wir sind also los in Richtung eines Hotels in der Nähe, in dem ich übernachten konnte. Rund um das Hotel waren einige Restaurants, die jedoch alle nicht sehr einladend aussahen. Auch Rita und der Chauffeur waren skeptisch und wir fuhren ein paar Mal an den Restaurants vorbei. Rita ging in das erste Restaurant und kam direkt wieder raus und sagte zu mir „you don’t want to eat there“. Ein weiteres Restaurant war relativ gut gefüllt und wir beschlossen dort etwas zu essen. Die Tischdecke war nass und wir bekamen direkt jeder ein in Plastikfolie eingewickeltes Geschirrset und eine Kanne Tee. Ich dachte zuerst, dass dies Einweggeschirr sei. Aber so war es nicht. Nach dem Auspacken aus der Folie fühlte und sah man, dass das Geschirr noch fettig und damit anscheinend nur notdürftig abgewaschen war. Rita zeigte mir, was man jetzt damit anstellt. Man nimmt die Essstäbchen und gießt an diesen entlang den heißen Tee nacheinander in Teller und Schüsseln. Das dient anscheinend zum Abspülen/Desinfizieren und die Reste des Tees wurden dann halb in eine Kunststoffwanne und halb auf dem Tisch verteilt – daher also der nasse Tisch.

Rita bestellte ein paar Sachen von der für mich nicht lesbaren Karte und wir bekamen ca. 8 Gerichte, die alle eigentlich ziemlich lecker aussahen. Mein Magen knurrte und mir ging das Herz auf als mir eine große Schüssel Reis neben meinen Teller gestellt wurde. Ich hatte ja das Letzte Mal heute morgen um 6 Uhr etwas gegessen und der Reisetag mit Zug, U-Bahn, viel Gewusel und Firmenbesichtigung war doch echt anstrengend. Das erste Gericht, das Rita mir auftun wollte, war Taube…das konnte ich nicht auf meinen leeren Magen…das nächste waren Spareribs, doch sahen diese nicht nach Spare-Ribs aus. Die Besonderheit war, dass die Rippchen komplett kleingehackt waren. Ich versuchte die Rippchen mit Stäbchen zu essen, aber vorweg testete ich mehrere Male den Reis, der war sehr pappig und schmeckte nach nichts aber er tat einfach gut 😊

Mit den Rippchen hatte ich dann viele kleine Knochenstückchen im Mund, die ich dann mühsam mit den Fingern wieder rausgepult habe. Rita machte das irgendwie eleganter, aber sie amüsierte sich ganz gut über mich. Unser Nachbartisch spuckte die Knochenstücke ganz gerne auch mal auf den Boden. Alles in Allem war das Essen lecker und ich fühlte mich wieder gestärkt.

Ich hatte am Ende auch die große Schüssel Reis komplett verputzt und Rita sagte mir im Anschluss, dass man eigentlich den Reis nicht aufisst, aber sie hatte gesehen, dass ich sehr hungrig war und deshalb im Restaurant nichts gesagt…sehr aufmerksam 😊

Nun ging es in das Hotel, in dem ich direkt mit Kreditkarte mein Zimmer bezahlen wollte. Leider schaute mich der Angestellte dort fragend an und sprach darauf mit Rita. Sie meinte dann zu mir, dass das Hotel nur Cash oder Alipay annehme. Ob ich Alipay hätte, fragte sie. Ich hatte tatsächlich schonmal von Alipay gehört. Es scheint ein Bezahldienst zu sein, ähnlich wie Paypal. Das interessante ist, dass man eine Rechnung in Form eines Barcodes auf seinem Handy generieren kann. Derjenige, der die Rechnung dann bezahlt kann diesen Barcode mit seiner Smartphone-Kamera scannen und schon ist der Bezahlvorgang abgeschlossen. Rita meint, dass das sehr verbreitet sei, vor allen Dingen auch in den Arbeitervierteln, da jeder ein Smartphone hat. Netterweise übernahm Rita die Hotelrechnung und sie bestand darauf, dass ich ihr das Geld auch nicht zurücküberweisen müsse.

Als ich die Tür zum Hotelzimmer öffnete kam mir ein beissender Geruch von kaltem Rauch entgegen. Die Putzfrau hatte anscheinend die Klimaanlage sehr kalt gestellt und mein Vorgänger hat ganz gut gequalmt. Egal, das Bett sah ganz gemütlich aus und das Bad war auch in Ordnung. Jetzt eine Dusche und dann ab ins Bett, weil es morgen ja schon weiter in die nächste Megacity, Shenzhen, gehen soll.

Ich ging barfuß durch das Zimmer zum Bad und der Teppich zwickte unter meinen Füßen. Ich bückte mich runter und sah kleine Teile aus dem Teppich ragen. Ich zog ein paar Teile heraus und sah, dass dies kleine Knochenstückchen waren…mmhhh :D

Relativ schnell kamen mir die Rippchen aus dem Restaurant in den Kopf und wenn hier jemand Rippchen im Bett isst, dann fällt vielleicht auch der Eine oder Andere Knochen auf den Boden. Naja, ab jetzt nur noch mit Socken über den Teppich.


4. Tag: Von Guangzhou nach Shenzhen (2 Stunden Zug)

Zum Frühstück gab es für mich nicht identifizierbare Gerichte, alle warm. Ein Gericht bestand aus Algen mit Gemüse und davon habe ich probiert. Zum Glück hatte ich noch das Gastgeschenk von Rita auf dem Zimmer. Das war ein Brot, sah aus wie ein Toastbrot, und so eine Art Croissant.

Jetzt ging es mit dem Zug nach Shenzhen, wo ich nur eine Nacht zwischenstoppen wollte. Shenzhen kenne ich als Hardware-Hauptstadt der Welt. Z.b. der Großteil der Bestandteile eines Smartphones kommen dort her und ich wollte mir das Ganze einfach mal ansehen.


Am Bahnhof von Shenzhen hatte ich leichte Probleme ein Taxi zum Hotel zu bekommen. In Guangzhou hatte ich schon bemerkt, dass auch mit WLAN keine .de und .com Seiten aufrufbar sind. Das einige Inhalte in China gesperrt sind, war mir bekannt, aber alles? Aus meiner Hotels.com App hatte ich mir noch ein Screenshot von der Adresse des Hotels gemacht wo auch ein kleines Bild des Hotels von außen drauf.


Die ersten Taxifahrer denen ich den Screenshot gezeigt habe sind direkt weitergefahren. Der Vierte hat dann genickt und ich bin eingestiegen. Nach 30 Minuten Fahrt hat er auf ein Gebäude gezeigt, dass so gar nicht aussah wie auf dem Bild. Naja, er war sich anscheinend sicher und der Hotelname auf Chinesisch an der Hauswand sah ähnlich aus wie das Hotel in der App hieß. An der Rezeption sprach man kein Englisch. Ich verstand aber trotzdem, dass die Dame an der Rezeption keine Reservierung finden konnte und daraufhin kam der Manager, der auch kein Englisch sprach. Ich zeigte ihm meine App, er nahm eine Karte, schrieb etwas chinesisches drauf und nahm mich mit nach draußen. Er rief ein Taxi, setzte mich rein, gab dem Taxifahrer die Karte und machte die Tür zu. Und jetzt kommt der Teil, bei dem mir das erste Mal etwas mulmig geworden ist! Im Taxi sitzend drehe ich mich nochmal zur rechten Fensterseite und sehe den Hotelmanager neben dem Taxi stehen. Schlagartig ändert sich sein Blick und er schaut mich mit einem irren Blick an, das Taxi fährt an und er macht wilde Handbewegungen für Stop….also so ein extrem wildes Winken von links nach rechts und es sah so aus als würde er Stop rufen. Naja wir waren weg…

Na toll, wo fahre ich jetzt bloß hin. Egal, ich hatte genug Bargeld dabei, um noch 4 Stunden Taxi zu fahren. Die erste 30minütige Taxifahrt hat mich so ca. 7€ gekostet.

Aber, allen Befürchtungen zuwider kamen wir am richtigen Hotel an. Was auch immer mir der Hotelmanager mit seinen wilden Handbewegungen und seinem Rufen sagen wollte. Ich hatte nichts vermisst und war angekommen.


Hotel war ok, Zimmer extrem verraucht und als ich in den Fahrstuhl mit Jemandem stieg, zündete der sich tatsächlich im Fahrstuhl eine Zigarette an :D als ehemaligen Raucher stört mich das nicht so extrem aber im Fahrstuhl ist schon hart.

Nun wollte ich ein wenig die Stadt erkunden und mir fiel wieder ein, dass ich kein Googlemaps aufrufen kann und so ging ich ohne Karte einfach mal drauf los. Die ungefähre Richtung nach Dongmen (Einkaufsgegend mit vielen Läden) hatte ich mir an der Rezeption per Zeichensprache geholt (auch hier kein Englisch) und los gings. Riesige Straßen, goldene Hochhäuser und auch einige nur halbfertig gebaute Hochhäuser, die schon wieder zerfallen waren. Dongmen war ganz interessant aber irgendwie hat mich das nicht so sehr gereizt. Während ich durch die Straßen gelatscht bin, ist mir aufgefallen, dass ich das Eine oder Andere Mal wahrscheinlich auf chinesischen Selfies gelandet bin. Gerade die Jugendlichen sind relativ direkt vor mir hergegangen und haben dann Fotos gemacht :DD

Einkaufsstraße in Dongmen
typische Seitenstraße in Dongmen

Zurück im Hotel hatte ich mir abends noch ein Ticket für den Zug am nächsten Tag gekauft. Das war relativ umständlich, da es eine chinesische Webseite mit ein paar Angaben auf Englisch war, hat aber dann doch geklappt…meinte ich zumindest.


5. Tag: Von Shenzhen nach Xiamen zum Lieferanten – 600km in 7 Stunden mit Zügen

Ich war rechtzeitig 1,5 Stunden vor Abfahrt des Zuges am gigantischen Bahnhof Shenzhen North.

der Haupteingang, eine krasse Konstruktion
riesige Halle mit den Ticketschaltern

Verzweiflung am Ticketschalter

Zielsicher ging ich zum Ticketautomaten und versuchte mein Ticket zu bekommen, doch der Automat schien meinen Reisepass nicht zu anzunehmen. Nach einigen Versuchen habe ich mich ein wenig in der Halle umgesehen und die Ticketschalter entdeckt. Dort müsste ich die Tickets ja auch holen können. Immerhin hatte ich eine Ticketnummer. Am ersten Schalter, nach ca. 30 Minuten warten, gab ich dem Mann am Schalter einen Zettel mit meiner Ticketnummer darauf und sagte die Zielstadt „Xiamen“. Der Mann gab die Nummer ein, schüttelte den Kopf, gab mir den Zettel zurück und machte eine Handbewegung, die mir zu verstehen gab, dass ich zur Seite gehen sollte und der Nächste kam zum Schalter. Ich blieb stehen, wartete bis der Nächste sein Ticket bekommen hatte und fragte den Mann nach „Ticket Xiamen“ und er schüttelte nur den Kopf und zeigte auf eine andere Warteschlange. Ok, vielleicht muss ich mich dort anstellen. Nach 30 Minuten warten kam ich dran und das Ganze ging von vorne los. Ticketnummer eingegeben, Kopfschütteln, der Nächste bitte…Ok, so komme ich nicht weiter. Ich bin erst einmal aus den Menschenmengen raus und habe mich in eine ruhigere Ecke gestellt und noch einmal meine Mail zur Reservierung angesehen. Da stand dass man sich das Ticket am Automaten oder am Schalter abholen könne. Ich schaute kurz von meinem Handy auf und sah in 5 Metern Entfernung vor mir einen Mann mit Cowboyhut. Wahrscheinlich ein Amerikaner, dachte ich und muss unbewusst gelächelt haben. War er doch der erste westlich aussehende Mensch nach 2 Tagen, den ich gesehen habe. Er kam auf mich zu und fragte ob ich Amerikaner sei. Nein, aber wahrscheinlich der Einzige hier am Bahnhof, der Englisch spricht, antwortete ich ihm und er musste lachen. Er fragte wo mein Dolmetscher sei. "Ich habe keinen" antwortete ich und er lachte und fragte ob das mein Ernst sei. Wir haben uns kurz sehr nett unterhalten und ich hab von meinem Ticketproblem erzählt. Kein Problem meinte er, er würde mir seinen Dolmetscher "Harris" zur Verfügung stellen und so ging ich mit einem Dolmetscher zurück in die Schlange. Wir warteten 10 Minuten und Harris versuchte das Ticket für mich zu bekommen. Erfolglos, anscheinend konnten Sie meine Reservierung nicht finden oder zuordnen und so konnte auch er das Problem nicht lösen. Egal, nehme ich halt ein neues Ticket und das gab es dann auch. Puh, nächster Zug in 45 Minuten und jetzt noch durch zwei Sicherheitskontrollen mit zweimal Koffer röntgen und abgetastet werden.

Als ich im Zug saß war ich dann schon sehr erleichtert. Jetzt hatte ich eine längere Zugfahrt und die konnte ich auch gut genießen.


Der Beinahe-Fingerbruch

In Xiamen angekommen, stieg ich aus dem Zug und alle mussten eine sehr steile, lange Treppe hinunter. Neben mir ging eine sehr alte Frau mit einem großen Trolley, voll mit Klamotten, überspannt mit einer großen Plastikfolie. Die kommt da niemals heile die Treppe mit runter, dachte ich und ich fragte sie ganz höflich, ob ich ihr helfen könne. Sie nickte, ich griff nach Ihrem Wagen und Sie fing an mir den Wagen wegzureißen. Ich guckte verdutzt zeigte auf Wagen und Treppe und sie nickte wieder. Ok, neuer Versuch und sie verstand und wollte den Wagen aber nicht loslassen. Am unteren Teil des Wagens griff ich so ungünstig, dass ich mit meinem kleinen Finger zwischen zwei Metallstangen geriet. Das waren Stangen, die zusammengedrückt werden, wenn jemand an der Bremse zieht. Die Frau zog auf einmal an der Bremse und quetschte mir so dermaßen den kleinen Finger ein, dass ich versuchte ihr zu erklären, dass sie loslassen solle. Sie lächelte nur und verstand mich natürlich nicht und ich konnte den Wagen auch nicht absetzen auf der Treppe. Ich zog den Finger im Treppe hinabgehen da irgendwie raus und der Finger pulsierte richtig. Unten angekommen bedankte sich die Frau und ich ging weiter und mein Finger war schon blau. Naja hoffentlich nichts gebrochen, der wird schon wieder.


Erstmal zu Mc's

Draußen an der Station waren auch schon drei Angestellte der Firma, die ich dort besuchen wollte. Alle waren sehr nett und nahmen mir gleich alle Sachen ab und wir gingen zum Auto. Diesmal ein klassischer chinesischer Van. Der Fahrer fragte, ob ich hungrig sei und er sah mir meinen Hunger an und schob nach ob ich Lust auf Mc Donalds hätte. Meine Augen strahlten anscheinend und wir stoppten bei Mc's. Das tat gut! Weiter ging es zur Produktionshalle mit angeschlossenen Büros der Firma. Die Firma war noch ein bisschen moderner als die Letzte und die Abläufe sahen schon sehr strukturiert aus. Meine Kulturtasche wurde gerade produziert und ich konnte zusehen, wie jemand die Seitenteile vernähte. Das war schon ein cooles Gefühl. Da bist du halb um die Welt geflogen, um dir eine Firma anzusehen, die ein Produkt für dich herstellt. Eigentlich war meine Marke zu der Zeit ein Hobby, ein aufregendes Projekt. Ich war ja noch Vollzeit bei einer Firma angestellt, aber irgendwie hatte ich da im Gefühl, dass das Ganze vom netten Nebenverdienst zu einer richtigen Firma werden könnte, von dessen Einnahmen ich leben kann. Das Gefühl war einfach toll.

Ich wurde dort, sowie auch in der ersten Firma, die ich besucht habe, so nett und professionell empfangen, dass ich mich gefühlt habe, wie ein großer Markenhersteller. Das ist das Tolle an den Geschäften mit den Chinesen. Egal welche Anfrage ich bis jetzt an eine Firma gestellt habe, es wird sofort Kooperationsbereitschaft signalisiert, obwohl die Meisten auch mit den größten Firmen der Welt zusammenarbeiten. Das ist auch das einzigartige an unserem Zeitalter. Über das Internet haben wir unendlich viele Möglichkeiten. Ich hatte gerade das Buch „ Shoe Dog“ vom Firmengründer von Nike gelesen. Was für ein Akt war das noch vor 40 Jahren, einen Hersteller zu finden, Muster zu bekommen und schließlich auch zu bestellen. Heutzutage kann ich eine Powerpoint-Datei per Mail an einen Lieferanten senden. Eventuell skypen wir und er zeigt mir ein paar Materialien. Das Muster ist zwei Tage später fertig. Die Bilder vom fertigen Muster bekomme ich fast live per Whattsapp oder WeChat zugeschickt und wenn ich mein OK gebe, werden die Muster verschickt und sind 7 Tage später bei mir. Das war früher nur großen Firmen vorbehalten oder eben Außnahmen wie einem Phil Knight (Nike).


Nochmal Zug fahren?

Ein super gelungener Tag ging zu Ende und ich wurde noch zu meinem Hotel gefahren. Am nächsten Tag sollte es mit dem Zug nach Macao gehen, also 600km die ganze Küste wieder runter, wo ich heute Morgen erst herkam. Zufällig lag mein Hotel direkt am Flughafen und ich guckte von meinem Zimmer aus direkt aufs Rollfeld. Ok, morgen fliege ich und so buchte ich mir schnell noch einen Flug nach Macao.


6. Tag: von Xiamen nach Macau

Zum Frühstück gab es viel Obst und so hab ich ordentlich an Bananen und Tomaten zugeschlagen. Leider war der Flug verpätet und ich hatte am Flughafen wieder einen Riesenhunger. Ich hatte noch 28 CNY was ungefähr 4€ entsprach. Meiste Kalorien für das Geld -> Whopper bei BurgerKing. Mittags bin ich dann in Macau angekommen und erst einmal mit dem Bus ins Hotel gefahren. Macau ist, wie ich finde, sehr übersichtlich und ich hab mich direkt zurechtgefunden. Es folgte noch 1 Tag, den ich für ein bisschen Freizeit in Macau geplant hatte und dort hat es mir wirklich sehr gut gefallen. Macau ist als Las Vegas des Ostens bekannt und hat ein paar beeindruckende Hotels und Casinos. Schön waren die alten portugiesischen Viertel und Bauwerke und man kann hier auf jeden Fall mal einen kurzen Zwischenstopp einlegen, wenn man von oder nach Hongkong fliegt.


Wohnsiedlung mit Casino im Hintergrund
Casino-Skyline
Seitengassen in altem portugiesischen Viertel
Ruine der Pauluskirche im Hintergrund

8. Tag: Von Macau - Hongkong - Frankfurt

Am letzten Tag ging es mit der Highspeed-Fähre von Macau in 30 Minuten zum Flughafen nach Hongkong und nachdem ich mir 7 Stunden die Zeit am Flughafen vertrieben habe ging der Flieger dann zurück nach Frankfurt.


Flughafen Hongkong

Das war definitiv eines meiner krassesten Erlebnisse. Sicher ist das für viele mittlerweile Alltag geschäftlich nach China zu fliegen. Für mich war das teilweise schon sehr herausfordernd und aufgrund der mangelnden Vorbereitung (einfach keine Zeit, ihr kennt das 😉 ) steht man ohne Internet und ohne, dass man die Schrift lesen oder die Sprache verstehen kann manchmal schon ganz schön im Wald. Irgendwie kriegt man es dann doch hin und das Gefühl auf dem Rückflug war schon echt cool. Gut, dass ich mir da ein paar Notizen gemacht hab, sonst hätte ich die Reise nicht mehr so aufschreiben können.

Wenn du bis hierhin gelesen hast, war es vielleicht sogar ganz interessant!?

Schreib mir doch in den Kommentar wie du die Geschichte findest oder hast du vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht?



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